Nette Begegnungen

Magali Avignon

Freitag 23 September 2022

BILDNACHWEIS: STÉPHANIE DAVILMA

Magali Avignon ist ein echtes Kind des Südens, wo sie im Rhythmus der Sonne und des Mistrals aufwuchs. Sie stammt aus einer landwirtschaftlichen Familie, die stets großen Wert auf Gastfreundschaft legte. Mit Enamoura lädt sie Urlauber in einzigartige, zwischen Marseille, dem Vaucluse und dem Luberon gelegene Feriendomizile ein, um ihnen vor Ort ihre sonnige und sinnliche Vision der Provence erleben zu lassen. Als Fortsetzung dieses Projekts entwirft sie gemeinsam mit lokalen Handwerkern eine Lampenkollektion, darunter auch die in Zusammenarbeit mit Sessùn Alma entstandenen Objekte, die Sie demnächst entdecken können.

Ein einziger Name für ein vielfältiges Projekt - Ferienhäuser, Fremdenführer, aber auch Tischdekorationen und Leuchten... Was bedeutet Enamoura?

Enamoura leitet sich von dem provenzalischen Wort „Enamourado" ab, das sich mit „Die Geliebte" übersetzen lässt. Es ist ein sehr persönliches, fast intimes Projekt, das es mir ermöglicht, meine Liebe zu der südlichen Lebenskunst zu vermitteln, die mir meine Mutter und meine Großmutter mitgegeben haben. Eine sonnige und sinnliche Vision der Provence, die ich gerne mit anderen teile.

Das Stadthaus, das Atelier, die Kapelle... Jedes Gebäude hat eine eigene Geschichte, die es einzigartig macht, ein Universum, das bis ins kleinste Detail spürbar ist. Wie wirken sich diese Orte auf Deine Vorstellungskraft aus?

Ich bin umgeben von alten Steinen und provenzalischen Gebrauchsgegenständen aufgewachsen. Dadurch habe ich eine besondere Sensibilität für die Spuren der Zeit und die jahrhundertealten Traditionen entwickelt. Alle Orte, die ich entdecke, sind bereits geprägt von der Erinnerung an einen lauen Sommerabend oder eine Nachtwache vor dem Kamin. Meine Fantasie lässt mich zahlreiche Leben entdecken, wobei ich oft an einer etwas altmodischen Atmosphäre hängen bleibe, die mich anspricht, und die ich nachzuahmen versuche. Dabei ist es mir wichtig, dem Ort möglichst treu zu bleiben, ergänze ihn aber gerne um meine etwas romantisierte Vision der Dinge. Ich erdenke und zeichne vor allem eine Umgebung, in der die Menschen, die ich liebe - und die ich empfange - glückliche Momente und unvergessliche Erinnerungen erleben können.

Was genau suchst Du in einem Haus? Was verführt Dich und bringt Dich dazu, es in einen Enamoura-Ort zu verwandeln?

Jedes Haus ist in erster Linie eine persönliche Vorliebe, ein authentischer, warmer und beruhigender Ort. Hinter dieser Kollektion verbirgt sich auch der Wunsch, die Provence durch ihre verschiedenen traditionellen Lebensräume erlebbar und zugänglich zu machen. Mitten im Winter zu zweit im Atelier de Saignon dem Alltag entfliehen, den Gipfel eines Felsens erklimmen, um eine Kapelle aus dem 10. Jahrhundert zu erreichen, das Dorfleben in Saumane erleben, das Herzstück von Marseille entdecken... Die Sonne des Südens scheint das ganze Jahr über von der Garrigue bis hin zu den Calanques. Ich möchte die Liebhaber des Südens zu jeder Jahreszeit auf eine Reise in die Provence entführen. Außerdem habe ich in Saignon eine Künstlerresidenz geschaffen, in der ich jedes Jahr verschiedene Künstler empfange, und zwar in Zusammenarbeit mit Margaux Derhy, die „Le Cercle de l'Art" ins Leben gerufen hat, ein wunderbares Projekt, das das künstlerische Schaffen von Frauen unterstützt.

Du hast in Zusammenarbeit mit Kunsthandwerkern aus der Region auch eine eigene Lampenkollektion heurausgebracht. Inwiefern verstehen sich diese Entwicklungen als eine Fortsetzung von Enamoura?

Ich war lange auf der Suche nach Leuchten, die den authentischen Geist meiner im Süden gelegenen Häuser zum Ausdruck bringen. Am Ende habe ich sie dann selbst entworfen. Eine erste limitierte Serie der Kollektion "Lisette & ses sœurs" wurde von FRANCA ATELIER aus gemischtem Ton angefertigt und dieses Jahr habe ich Marion Graux freie Hand gelassen, um 48 Objekte aus glasiertem Steinzeug zu erstellen. 

Außerdem haben wir auch eine permanente Kollektion zusammengestellt. Sie ist sinnlich, oft roh und spiegelt meine ländliche Herkunft wider: einfache und zeitlose Formen. 

Jedes Modell wird von Hand in der Provence angefertigt und ist Ausdruck des Savoir-faire und der althergebrachten Techniken unserer Region: Terrakotta auf der Drehscheibe, geprägter gemischter Ton, glasiertes Steinzeug... Es sind wertvolle Objekte, die weitergegeben werden müssen, um unser handwerkliches Know-how fortbestehen zu lassen.  Dieser kreative Prozess fasziniert mich, an der Seite der Kunsthandwerker lerne ich ständig Neues.

Erzähl uns etwas über Deine Familie und ihre einzigartige Geschichte. 

Meine Familie baute Chasselas (Gutedel), eine alte Weißwein- und Tafeltraubensorte, an, deren wohltuende Wirkung den guten Ruf und den Reichtum des Pays des Sorgues, aus dem ich stamme, begründet hat. In unserem Landhaus wurden seit jeher Erntehelfer und Landarbeiter untergebracht, die von meiner Großmutter Lisette vor Ort beherbergt und verpflegt wurden. Später bot meine Mutter Trampern Unterkunft und Verpflegung an. Beide haben mir diese südländische Kultur der Gastfreundschaft mitgegeben, die ich nun meinerseits weiterführe. Enamoura ist meine Art, ihr Tribut zu zollen.

Für Dich entspricht der Süden einer gewissen Lebenskunst. An was erinnert Dich die Provence?

An meine Kindheit, barfuß laufen, die Pistou-Suppe meiner Mutter, Melone in Beaumes-de-Venise, die Sonne, Felsen und den Mistral. Das süße Leben, der Traum von der Zeit, die stillsteht, die Siesta, die Sommerliebe und die Tauchgänge in den Calanques, von denen ich nie genug bekommen kann und die das perfekte Heilmittel gegen alle Übel sind...

Was sind Deine Inspirationen in Bezug auf Architektur und Dekoration?

Das provenzalische Landhaus meiner Mutter, die verlassenen Trockensteinhütten inmitten der Ländereien meiner Kindheit oder auch das architektonische Werk von César Manrique auf Lanzarote. Ich lasse mich von den authentischen architektonischen Elementen leiten, die mich vor Ort erwarten, ich werfe nichts weg, sondern füge alle Elemente wieder ein. Mein Großvater hat einmal eine Bank aus zwei Steinen und einem Brett gebaut, das er aus dem Schuppen geholt hatte. Ich glaube, ich mache das auch ein bisschen so... Bei der Auswahl der Gegenstände lasse ich mich von denen inspirieren, die ich im Rahmen von Verkäufen in der Region aufstöbere. Trödelmärkte sind meine Leidenschaft.

Urlauber beherbergen, Kooperationen mit Handwerkern ins Leben rufen... Welcher Platz kommt der Begegnung in Deiner Arbeit zu?

Die Begegnung steht im Mittelpunkt meines kreativen Prozesses. Ich arbeite aus dem Bauch heraus - oftmals geradezu forsch - und als gute Tochter des Südens mag ich Einfachheit und Spontaneität. Die Zusammenarbeit mit den Kunsthandwerkern, die mich von Anfang an begleiten, wird mit der Zeit immer wichtiger. Genau wie das Vertrauen der Künstler, spornt mich auch ihr Vertrauen an. Sie haben mich in ihren Ateliers empfangen und mir oft schnell einen Termin in ihrem dichtgedrängten Produktionsplan eingeräumt. Ich versuche, ihre Arbeit und ihr künstlerisches Können so gut wie möglich zu würdigen. Ich habe auch das Glück, tolle Urlaubsgäste zu haben, die die vielen Ausprägungen des Enamoura-Projekts von Anfang an unterstützt haben.

Gibt es andere Bereiche, die Du gerne mit Enamoura erproben, entwickeln würdest?

Enamoura steht für eine bestimmte Lebensart im Urlaub unter der Sonne des Südens, eine bestimmte Atmosphäre, bestimmte Emotionen. Grundsätzlich ist also alles möglich, ich habe noch tausend Träume und tonnenweise Wünsche: eine Hütte in den Calanques renovieren, einen Schafstall finden, Liegestühle entwerfen... Aber jetzt werden wir erst einmal unsere Kollektion an handgefertigten Leuchten weiterentwickeln, um für jede Art der Verwendung die passende Antwort zu haben. Und wir müssen eine Struktur finden, um die vielen Anfragen von Architekten bearbeiten zu können, die uns immer häufiger um schöne Hotel- oder Restaurantkonzeptionen mit südländischem Flair bitten. Wir haben übrigens auch unsere Montagewerkstatt und einen Pop-up-Store eingerichtet, die auf Anfrage im Haus in Marseille zugänglich sind. 

Gibt es zukünftige Projekte, die Du uns gerne ankündigen möchtest?

Durch die Aufwertung des lokalen Kunsthandwerks, die Unterstützung von Künstlerinnen und die Hervorhebung der reichen lokalen Traditionen hat Enamoura viele Gemeinsamkeiten mit Sessùn Alma. Ich freue mich daher sehr über das Zustandekommen einer ersten Zusammenarbeit Enamoura X Sessùn Alma, im Rahmen derer eine einzigartige Serie von drei Modellen der Hängelampen Alma aus glasierten Steinzeug erscheinen wird. Diese Serie wird exklusiv bei Sessùn Alma erhältlich sein, zusammen mit einigen Modellen aus unserer permanenten Kollektion aus elfenbeinfarbigem, schamottiertem Steinzeug. Diese Zusammenarbeit bedeutet mir sehr viel, da ich erst vor kurzem den Weg des kreativen Schaffens eingeschlagen habe.

Was verbindet Dich mit Sessùn?

Emmas Retro-Kleider haben alle meine glücklichen Erinnerungen, alle prägenden Momente meines Lebens begleitet. Die Sessùn-Kollektionen haben immer meinem Bedürfnis entsprochen, Kleidung als Träger von Erinnerungen und Emotionen zu betrachten. Ich habe jedes Stück, wie Prousts Madeleines, sorgfältig aufbewahrt und heute tragen meine Töchter einige dieser Modelle. Dieses Verständnis von Weitergabe ist für mich wichtig und Sessùn verkörpert aufs Tiefste diese von mir geteilten Werte.

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