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Begegnungen

Du Yuan

Montag 4 Mai 2026

Du Yuan stammt aus Shenzhen und lebt heute in Foshan, China. Sie ist eine autodidaktische Keramikkünstlerin. Ihre Praxis entstand aus einer zufälligen Begegnung und entwickelte sich zu einer tiefen, dauerhaften Verbundenheit mit Ton.

Für die Sessùn Boutique in Shenzhen entwarf sie eine Reihe von Kreationen, inspiriert von der Poesie des Alltäglichen: Steinen, Rinden, Spuren des Brennofens, aber auch von der raffinierten Schlichtheit alter chinesischer Keramiken. Die weichen, runden Formen tragen oft die Abdrücke ihrer Finger und offenbaren eine intuitive Geste, in der Zeit, Erinnerung und Material in einen intimen Dialog treten.

Wir haben Du Yuan getroffen. Sie öffnete uns die Türen zu ihrer Welt und teilte ihre Sicht auf die Geste, die Erinnerung und die Entwicklung ihrer Arbeit mit uns.

Kannst du dich kurz vorstellen und uns ein wenig über deinen Werdegang erzählen?

Ich bin Keramikkünstlerin. Aufgewachsen bin ich in Shenzhen, doch lebe ich mittlerweile in Foshan. Ich arbeite seit sieben Jahren mit Ton, wobei ich keine Ausbildung zur Keramikerin gemacht habe. Ich bin eher zufällig auf die Töpferei gestoßen, und von diesem Moment an wusste ich, dass ich dies für den Rest meines Lebens machen würde.

Was sind deine Inspirationsquellen? Gibt es Künstler oder künstlerische Strömungen, die deine Arbeit besonders beeinflussen?

Die meiste Inspiration finde ich in Dingen, die direkt vor meiner Haustür liegen: Steine am Straßenrand, die Rinde eines alten Baumes im Garten, Holzasche, die aus dem Brennofen weht. Antike chinesische Gefäße haben mich stark geprägt – ihre klaren Linien und die Spuren, die die Zeit auf ihrer Oberfläche hinterlassen hat. Sie sind immer genau passend. Mir gefällt diese natürliche,
unverfälschte Ausstrahlung – eine zurückhaltende Art von Schönheit.

Wie integrierst du nachhaltige und ethische Praktiken in deine Arbeit?

Die Töpferei ist von Natur aus ein Handwerk, das in Erde, Wasser und Feuer verwurzelt ist. Ich
verwende Rohton aus lokalen Abbaugebieten in Foshan, um Transportwege und Materialverschwendung zu reduzieren. Beim Befeuern des Brennofens fülle ich jeden Zentimeter Platz mit verschiedenen Stücken aus, damit keine Wärme verloren geht. Meine Arbeiten sollen langfristige Begleiter sein. Für mich ist Nachhaltigkeit kein bloßes Schlagwort – sie ist einfach die Art und Weise, wie das Leben hier gelebt wird. Nimm, was du brauchst, nutze, was du nimmst, und gib den Rest der Erde zurück.

Wie hat sich deine Designsprache entwickelt? Gab es einen entscheidenden Moment oder eine Erfahrung, die deinen Stil geprägt hat?

Mein Weg mit der Keramik gleicht meinem Erwachsenwerden. Am Anfang war ich einfach
neugierig. Von der Fertigung eines kleinen Tee-Services bis hin zur Herstellung großer Blumenvasen habe ich stets Grenzen überschritten und Neues erkundet. Meine Formensprache hat sich ganz von selbst entwickelt – meine Hände sind immer schneller als mein Verstand. Jeder gerollte Strang aus Ton ist eine Stilentscheidung.

Welche Rolle spielen kreative Forschung und Experimentieren in deiner Arbeit?

Ich bin kein Mensch, der viel plant, aber ich handle schnell. Wenn mir also eine neue Idee in den Sinn kommt, fange ich oft schon damit an, daran zu arbeiten, noch bevor ich meine Recherchen dazu abgeschlossen habe. Ich glaube daran, erst einmal zu handeln und durch Übung etwas zu schaffen.

Für die neue Boutique in Shenzhen hast du Keramiken entworfen. Kannst du uns etwas über diese Kreationen erzählen und den kreativen Prozess beschreiben, von der ersten Idee bis zur endgültigen Umsetzung?

Shenzhen ist eine Stadt, die ich gut kenne – ich bin dort aufgewachsen und erst im Erwachsenenalter weggezogen. Ich glaube, ich habe schon immer eine gewisse Distanz zu Großstädten empfunden. Für die Boutique in Shenzhen habe ich daher Kreationen mit abgerundeten Kanten und weicheren Formen entworfen, in der Hoffnung, dass sie sanfter, ruhiger und zugänglicher wirken würden.

Welche Handwerkskunst hast du eingesetzt, und wie viele Arbeitsstunden waren erforderlich, um deine Arbeiten für die Boutique zu kreieren?

Ich verwende die traditionellste Töpfertechnik, das Formen mit den Händen, denn ich liebe die
Freiheit, den Ton mit meinen Fingern zu formen und meine Fingerabdrücke auf der Oberfläche zu
hinterlassen. Vom Aufbereiten des Tons über das Formen, Nachbearbeiten, Trocknen und Glasieren bis hin zum Befüllen des Brennofens, dem Brennen und schließlich dem Reinigen der Kreationen nach dem Herausnehmen dauert der gesamte Prozess fast einen Monat.

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