Begegnungen

Delphine Dénéréaz

Dienstag 2 Juli 2024

FOTOKREDIT: Louise Skadhauge

Delphine Dénéréaz, eine moderne Künstlerin und diplomierte Textildesignern, hat kürzlich für die von Sessùn aufgelegte Lampe Ezia einen Lampenschirm entworfen, der vom Aussehen des Blauen Rittersporns inspiriert ist. Die Künstlerin hat sich auf das Weben mit Stoffresten und das Recycling von Textilien spezialisiert und verleiht dieser einzigartigen Handwerkstechnik aus früheren Zeiten mit modernen Formen und Symbolen einen ganz neuen Charakter. Sie ist für ihre Ausstellungen und Stadtporträts von Marseille bekannt und begibt sich stets in neue, innovative Projekte. Treffen mit einer engagierten und kreativen Künstlerin.

Wie sieht Dein Werdegang aus?

Ich habe nach meinem Abitur mit Schwerpunkt Angewandte Kunst in Avignon an der Kunsthochschule La Cambre in Brüssel ein Masterstudium in Textildesign absolviert, das ich 2013 mit Auszeichnung abgeschlossen habe.

Wie bist Du auf das Fleckerl-Weben gestoßen? Und was macht diese Webtechnik so besonders?

Ich kenne Fleckerlteppiche seit jeher, wusste aber nie so genau, was es damit eigentlich auf sich hat. Sie lagen bei uns im Bad, dienten als Bettvorleger und waren auf den Marktständen ausgelegt. Im Rahmen meines Studiums habe ich dann mehr darüber erfahren und verstanden, worin diese Technik besteht. Es ist eine wunderbare Methode, um ausrangierte Stoffe durch handwerkliches Weben wiederzuverwerten, um Teppiche, Decken und vieles mehr herzustellen. Natürlich handelt es sich dabei nicht um edle Teppiche, aber diese Handarbeitstechnik ist eine Möglichkeit, Ausschussware zu verarbeiten und aufzuwerten.

Was hat Dich an dieser Webtechnik gereizt?

Noch mehr als die für mich unerlässliche ökologisch verantwortliche Komponente dieser Technik, gefällt mir, dass ich mit Materialien arbeite, die ihre eigenen Geschichten und Anekdoten erzählen und Zeugnisse vergangener Zeiten sind.
Außerdem ist das Weben eine uralte, universelle Technik, die die Geschichte der Menschheit in sich trägt, was ich großartig finde. Der Ausdruck und die Bedeutung der Handgriffe, die Generationen überdauern und Völker vereinen.

Du hast Dich dafür entschieden, mit alten, gebrauchten Stoffen zu arbeiten, denen Du neues Leben einhauchst. Was bedeutet das für Dich?

Ich habe mich bei der Auswahl mehr und mehr Stoffen aus aktuellen Produktionen angenähert, die aufgrund ihrer Zusammensetzung viel schwieriger zu recyceln sind, die Umwelt stärker belasten und schneller kaputt gehen, gleichzeitig aber auch von unserer Generation erzählen.

Alte Stoffe zeichnen sich durch ihre Schönheit aus, sie wurden über längere Zeit hinweg aufbewahrt und mir gefällt die Vorstellung, sie so zu belassen, wie sie sind und sie nicht anzurühren, ihre Erinnerung nicht zu verraten.

Du erfindest eine neue Sprache, indem Du eine traditionelle Handarbeitstechnik mit modernen Symbolen mischst. Wie findest Du die Motive für Deine Webarbeiten?

Durch meinen Alltag, unsere Kommunikationsmittel, Eindrücke von Dörfern, aber auch durch meine Zugreisen, ich liebe neue Landschaften.

Was sind Deine Inspirationsquellen?

Die Natur, meine Zukunftsangst, Märchen, heidnische Legenden, die allgemeingültigen Symbole einer Epoche, der Süden.

Du hast in der Villa Noailles in Hyères, im LaVallée in Brüssel, in der Galerie Silka in Lyon und letztes Jahr in der Collection Lambert in Avignon ausgestellt... Gibt es ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Ausstellung, das oder die Dir definitiv zum Durchbruch verholfen hat?

Eigentlich hat jedes einzelne Projekt auf seine Weise dazu beigetragen, dass ich Kontakte knüpfen und neue Erfahrungen sammeln konnte. Meinen anfänglichen Bekanntheitsgrad verdanke ich vor allem meiner Porträtserie über Marseille aus dem Jahr 2019 (JUL, OM, TN...), die es mir ermöglichte während des Lockdowns ganz und gar von meinen Webarbeiten zu leben. Danach haben mir meine Ausstellungen Zugang zu einem neuen Publikum verschafft und die Umsetzung von neuen, immer ehrgeizigeren Projekten ermöglicht.

Wie sieht Dein Atelier aus und wo befindet es sich?

Ich habe eine Werkstatt in Marseille. Diese ist rosa gestrichen und befindet sich in der Gemeinschaftswerkstatt Vé im Stadtviertel Réformés. Ein weiteres Atelier habe ich im Vaucluse im Garten der Magnanarié, einer ehemaligen Seidenzwirnmühle, in einer kleinen Hütte. Es ist gemütlich und meine Katzen kommen gerne dort vorbei, um mir beim Weben zuzusehen.In jedem dieser Werkstätten stehen viele Kisten voller Stoffe.

Für Sessùn hast Du für das Textillampen-Modell Ezia einen Lampenschirm entworfen. Wie hast Du Dir diesen vorgestellt?

Ich interessiere mich momentan ganz besonders für Blumen. Sie bilden das Textilmotiv schlechthin, das sich unabhängig von der Epoche und in jeder Kultur wiederfinden lässt. Also habe ich die Blume gewebt, die mich am meisten inspiriert, den Blauen Rittersporn.

Was verbindest Du mit Sessùn?

Während meiner Schulzeit war es meine absolute Lieblingsmarke. Ich bekam zu Weihnachten jedes Jahr einen Sessùn-Mantel, auf den ich mich schon das ganze Jahr über gefreut hatte und war überglücklich. Ich erinnere mich, wie gerne ich in die Sessùn-Boutique in der Rue Joseph Vernet in Avignon ging, die es noch immer gibt.

Was sind Deine nächsten Projekte? Gibt es andere Handwerkstechniken oder Formate, die Du gerne entdecken würdest?

Ich komme gerade aus einer Künstlerresidenz in Vent des Forêts, wo ich ein Schloss angefertigt habe, das inmitten einer schönen einer Wiese aufgestellt wird. Außerdem bereite ich eine Einzelausstellung in der Halle in Pont en Royans vor.

Parallel dazu möchte ich meine Forschungsarbeiten zu Objekten fortsetzen, die Metall und Webarbeiten miteinander verbinden, um damit vielleicht wieder einmal in einer Galerie auszustellen.

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