Savoir-faire

P.I. Project

Dienstag 23 Oktober 2018

Um die vielseitigen Facetten des alten und modernen Mexikos herauszuarbeiten, haben wir P.I. Project dazu eingeladen, gemeinsam mit uns rund um das Thema unseres neuen Ausstellungs-Events „Coyoacan“ zusammenzuarbeiten.

WORIN BESTEHT EUER PROJEKT?
P.I. Project hat sich zum Ziel gesetzt, das Wissen und das handwerkliche Können der mexikanischen Bevölkerungsgruppen in Frankreich und Europa bekannt zu machen und durch die Vermarktung von handwerklichen Produkten zu fördern. P.I. steht für „Patrimonio Inmaterial" - wir wollen weg vom Klischee der Ausprägung des „mexikanischen Dekostils", wie er in Frankreich bekannt ist, und stattdessen das Wissen und die Techniken hervorheben, die das traditionelle mexikanische Handwerk ausmachen.
WIE IST ES ENTSTANDEN?
Unser Projekt entstand vor 2 Jahren. Es wurde von Jonathan, einem Mexikaner aus Puebla, der seit langem in Mexiko Kulturerbe unterrichtet, und Ariane, einer Französin, die seit 4 Jahren in Mexiko im Bereich der nachhaltigen und kommunalen Entwicklung arbeitet, ins Leben gerufen. Unser Projekt vereint unsere beruflichen Fähigkeiten und den Wunsch, die starken Verbindungen, die zwischen Frankreich und Mexiko bestehen, zu stärken.
WELCHE ÜBERLIEFERTEN HANDWERKSTRADITIONEN MÖCHTET IHR AM LEBEN ERHALTEN?
Es gibt sehr viele verschiedene Handwerkstraditionen in Mexiko, die meisten davon stammen aus vorspanischer Zeit. Zu den von uns ausgewählten Handarbeiten gehören Webarbeiten aus Palmblättern (Teppiche oder Körbe), Scherenschnittbilder aus Seidenpapier (Papel Picado-Girlanden), Zeichnungen und Stickereien für die Herstellung von Tenangos (Kissen), die gekonnte Verwendung natürlicher, pflanzlicher Farbstoffe und traditionelle Webstuhlarbeiten (Teppiche aus Wolle oder Baumwolle) sowie die einzigartige und neuartige Technik der Huicholen zur Herstellung von Perlenschädeln.
IN WELCHER BEZIEHUNG STEHT IHR ZU DIESEN MEXIKANISCHEN KUNSTHANDWERKERN? TREFFT IHR SIE VOR ORT?
Wir kennen alle Kunsthandwerker, mit denen wir zusammenarbeiten, persönlich und haben mit der Zeit eine enge Beziehung zu ihnen aufgebaut. Das eigentliche Ziel unseres Projekts ist es, eine monatliche Produktion zu erreichen, die sich selbst trägt und für wirtschaftliche Stabilität sorgt, sowie ihre Handarbeiten zu einem angemessenen Preis zu kaufen. Unser Ansatz ist ethisch und transparent, jeder Handwerker signiert seine Stücke von Hand und ist stolz darauf, dass seine Kreationen weit über die Gemeinschaften hinaus verkauft werden.
GIBT ES IRGENDEINE ANEKDOTE VON EINEM TREFFEN ODER EINE BESONDERE ERINNERUNG AN EINEN DER KUNSTHANDWERKER, DIE EUCH BESONDERS BERÜHRT, BEWEGT ODER ZUM HANDELN VERANLASST HAT?
Wir waren überrascht, wie schwierig es für die Kunsthandwerker vor Ort ist, ihre Kreationen in Mexiko, in ihrem Dorf oder auf den Märkten zu verkaufen, ganz gleich, ob es sich dabei um „Petates" (für das Totenfest gewebte Palmenteppiche) oder „Guajes" (handbemalte Flaschenkürbisse) handelt. Als wir mit unserem Projekt begannen, wurden wir von renommierten mexikanischen Museen kontaktiert, die sich sehr für diese traditionellen künstlerischen Arbeiten interessierten. Seither nehmen die Kunsthandwerker an angesehenen Kunsthandwerksmessen teil, die es ihnen ermöglichen, mehr zu verkaufen. Die Herausstellung ihres Handwerks hat es ihnen ermöglicht, auf nationaler Ebene ein wirtschaftliches Netzwerk aufzubauen. Darüber freuen wir uns sehr!
WELCHE DREI FARBEN SYMBOLISIEREN EURER MEINUNG DAS MEXIKANISCHE KUNSTHANDWERK AM BESTEN? WELCHE MATERIALIEN ODER PFLANZEN WERDEN IN DER MEXIKANISCHEN HANDWERKSKUNST VORNEHMLICH VERWENDET?
Wenn es ein Land gibt, das für seine Farben bekannt ist, dann ist das wohl Mexiko! Einige Regionen verfügen über ein echtes Know-how hinsichtlich der Verwendung von Naturfarben. Ein erstes Beispiel ist das Cochenillerot. Es wird aus dem kräftig rotem Blut eines von den Nopal-Kulturen gezüchteten Insekts gewonnen. Diese Farbe wird vor allem in Teotitlán del Valle, wo wir unsere Teppiche herstellen lassen, zum Färben der Wolle verwendet. Das Gelborange, das aus der Studentenblume gewonnen wird, die in Mexiko unter dem Namen Cempasúchil bekannt ist und an Allerheiligen geerntet wird, ist ebenfalls eine Referenzfarbe. Und schließlich muss natürlich auch das berühmte „Rosa Mexicano" erwähnt werden, das fester Bestandteil Mexikos ist und dort an jeder Straßenecke und bis in die Häuser von Luis Barragán zu finden ist!
AUF EURER SEITE IST EIN ZITAT VON BRUNO RAVEN ZU LESEN, WELCHES BESAGT, DASS ES IHM, „WENN ER SEINE KLEINEN KÖRBE ZU TAUSENDEN HERSTELLEN MÜSSTE, NICHT MEHR MÖGLICH WÄRE, IN JEDEN VON IHNEN EIN STÜCK SEINER SEELE EINZUARBEITEN ". MÖCHTE P.I. AUCH DIESEN ASPEKT BETONEN?
Wir setzen auf die Qualität eines bestimmten Know-hows, jedes Objekt benötigt zur Herstellung seine Zeit, denn es ist Ausdruck vieler Stunden des Lernens, der Weitergabe, von Probeanfertigungen und manchmal auch des Scheiterns. Wir streben keine Überproduktion an und legen Wert auf den sozialen und wirtschaftlichen Nutzen, der für die Gemeinschaften durch den Kauf ihrer Handwerkserzeugnisse entsteht.
WERDEN DIESE TRADITIONEN EURER MEINUNG NACH ÜBER KURZ ODER LANG AUSSTERBEN? UND WENN JA, WÄREN DANN DIE GLOBALISIERUNG UND DER KAPITALISMUS DIE URSACHE DAFÜR?
Die Bewahrung des kulturellen Erbes Mexikos - das viel mehr ist als nur überlieferte Handwerkskunst - spielt eine wesentliche Rolle für die Erhaltung der kulturellen Vielfalt gegenüber dem Phänomen der Globalisierung und ermöglicht gleichzeitig die Entwicklung eines interkulturellen Dialogs. Obwohl dieses Erbe auf den aus der Vergangenheit übernommenen Traditionen aufbaut, sollte nicht vergessen werden, dass es vor allem ein lebendiges Erbe ist, da es auch zeitgenössische ländliche und städtische Praktiken einschließt, die für verschiedene Gemeinschaften von grundlegender Bedeutung sind, unabhängig davon, ob es sich dabei um indogene Völker handelt oder nicht. Die Idee unseres Projekts ist es, eine repräsentative Auswahl von Handwerkskünsten vorzustellen, die die aktuelle Vielfalt des Landes aufzeigen, von denen einige seit Jahrzehnten gleichgeblieben sind, andere sich mit der Verfügbarkeit neuer Rohstoffe und neuer Bedürfnisse weiterentwickelt haben.
WIE KAM ES ZU EURER ZUSAMMENARBEIT MIT SESSÚN?
Ich kenne Sessùn seit Gründung der Marke. Meine Schwestern und ich waren geradezu zwanghafte Käuferinnen der Kleider, als sie vor 15 Jahren bei Novoid in Aix angeboten wurden! Emmas Geschichte und die Anfänge von Sessùn spiegeln unsere Herangehensweise wider, weshalb wir sofort begeistert von ihrem Vorschlag waren, an ihrer mexikanisch inspirierten Kapsel-Kollektion mitzuwirken.
DIE NEUE SESSÙN-VERKAUFSAUSSTELLUNG, AN DER IHR MITGEWIRKT HABT, HEISST „COYOACAN“. WAS LÖST DIESER NAME BEI EUCH AUS?
Coyoacán ist ein Stadtteil von Mexiko-Stadt, der einst ein eigenständiges Dorf war, im Laufe der Zeit aber von der Megalopole „verschluckt" wurde, aber trotzdem nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren hat. Dieses friedliche Bohème-Viertel gehört zu den Musts bei einem Besuch in Mexiko-Stadt. Man kann dort neben dem berühmten „Casa Azul", dem ehemaligen Haus von Frida Kahlo, das in ein Museum umgewandelt wurde, viele kulturelle Einrichtungen, wie das Museum für volkstümliche Kunst oder den Markt besuchen und gemütlich durch die kleinen charmanten Sträßchen schlendern.
WIE SEHT IHR DIE MARKE SESSÙN HEUTE UND WAS HALTET IHR VON IHRER ENTWICKLUNG?
Ich kenne die Marke schon lange und habe ihre Entwicklung mit großem Interesse verfolgt, mir gefällt ihre Philosophie des qualitativen Wachstums. Wir begrüßen die Idee, Kooperationen mit Künstlern, Musikern und Handwerkern einzugehen und diese als Teil des Pop-Up Stores zu etablieren.
WIE WÜRDET IHR SESSÙN IN EINEM WORT BESCHREIBEN?
Boho-Chic.
DANKE!!
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